Mitteldeutsche-Zeitung vom 17.02.2007

Billard-Club hat neue Spielstätte

Poolbillard: Vierter Umzug in 14 Jahren – Kantinenräume des Züchtungshofes des VEG August Bebel umgebaut


Über viel Platz für die drei Billard-Tische des Vereins und frische Farbe in den selbst sanierten Räumen der ehemaligen Kantine des VEG-Züchtungsforschung freuen sich Schatzmeister Stefan Behrendt (l) und Vereinschef Frank Schmidt (r). MZ-Foto Chris Wohlfeld

Von D e t l e f A n d e r s

Quedlinburg/MZ. Der frühere „Pesthof“, auch als mittelalterlicher Rasthof oder Später Gärtnerei Haake bekannt, sieht nach jahrelangem Leerstand ganz schön heruntergekommen aus. Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel zu sehen, auch der Taubenturm bleibt den Augen Neugieriger verborgen. Doch Stefan Behrendt, der Schatzmeister des Quedlinburger Billard-Clubs ist Glücklich: „Das Ambiente ist hier besser.“ Der Billard-Club hat sich in der früheren Kantine des zuletzt vom VEG „August Bebel“ genutzten Landwirtschaftshofes tatsächlich eine schöne Spielstätte geschaffen. Noch ist zwar nicht alles fertig, doch das Ende ist in Sicht. Schließlich beginnt am 18. März für die Oberliga-Mannschaft des Clubs die Rückrunde.

„Das, was wir hier abgezogen haben, ist richtig heftig.“ Frank Schmidt Vereinschef

Vereinschef Frank Schmidt, sein Schatzmeister sowie „Bauminister“ Stefan Behrendt und viele andere Vereinsmitglieder sind fast jeden Tag hier. Von den Rissen in den Wänden und dem alten Fußbodenbelag ist nichts mehr zu sehen. Die jungen Männer haben neuen Belag verlegt, verputzt, gemalert, Sanitärräume eingebaut und gefliest sowie die alte Küche aufgemöbelt. Nur ungemütlich kalt ist es momentan. Um den noch geplanten Holzofen kaufen und die Schornstein-Verrohrung in Auftrag geben zu können, sind fast 5200 Euro nötig. Die Sportler hoffen deshalb, dass ihr Antrag auf die avisierte 2850-Euro-Hilfe der Lotto-Toto-Gesellschaft des Landes bald positiv beschieden wird.

Bisher hat der Billard-Club für den Ausbau schon Hilfe von der Stadt (600 Euro) und vom Kreissportbund (682 Euro) und von den Sponsoren (863 Euro) erhalten. 5 500 Euro konnten durch dadurch investiert werden. Frank Schmidt ist dennoch etwas unzufrieden. „Eigentlich wollte ich schon seit einem Monat fertig sein“, hummelt er und sieht auf die noch nicht fertige Toilette. „Das, was wir hier abgezogen haben, ist richtig heftig.“, ist er sich jedoch auch im Klaren.

Schwerste Suche

Nie hätte sich der Chef des 24 Mitglieder zählenden Billard-Clubs ausgemalt, dass es dieses Mal so schwer werden würde, neue Vereinsraume zu finden. Dabei ist der 36-jährige Vereinschef und Trainer umzugserfahren. Nachdem der Verein 1993 im Gildehaus „Zur Rose“ gegründet wurde, suchte er sich aus Kostengründen in der damaligen Juba im Neuendorf eine eigene Spielstätte. Nachdem die Sportler die Räume auf eigene Kosten ausgebaut hatten, folgte die Pleite der Juba und nach nicht ganz drei Jahren der Umzug in den Kaiserhof. Von dort aus ging es in die verwinkelten Ex-Wohnungen in der Gneisenau-Straße.

Nachdem die Sportler von den Abrissplänen der Wohnungswirtschaft erfahren hatten, begann ihre größte Suchaktion. „Wir hatten eine Liste gemacht, was es in Quedlinburg an Objekten gibt und sind dann rumgefahren und haben nachgefragt. Nichts klappte zunächst, zumal die Sportler finanzielles Limit beachten musste. In Häusern mit Holzbalkendecken konnten die drei je 340 Kilogramm schweren Tische zudem gar nicht aufgestellt werden. Auf die VEG-Kantine stießen sie schließlich nach einem Tipp eines Haussanierers im Steinweg. Unter dessen konnte das Equipment nach dem Auslaufen des Mietvertrages in der Gneisenau-Straße weiter dort bleiben. Frank Schmidt war froh, dass seine Mitglieder weiter ihre Mitgliedsbeiträge zahlten und nicht absprangen und dass sie auch von der Stadt, besonders vom Sozialausschuss-Chef Dr. Otto Boldt, unterstützt wurden.

Nur Tabellenletzter

Sportlich ist der Verein in der Hinrunde Der Poolbillard-Oberliga, wo nur auswärts gespielt wurde, etwas unter die Räder gekommen. Ohne einen einzigen Punkt sind die Quedlinburger Tabellenletzter. „Hauptproblem ist, dass wir seit einem Jahr kein großartiges Training machen konnten“, erklärte Frank Schmidt. „Alle anderen kommen mit einer Turnhalle gut weg. Aber ich habe ein Problem. Eine Tischtennis-Platte kann ich wegräumen, den Tisch nicht“, schildert er das sportartspezifische Hindernis.

Nun hofft der Vorstand, dass die Jugend nachrückt. Vor sieben Jahren hatte der Club einmal eine Projektwoche für Gymnasiasten angeboten, die anschließend „vom drittintelligentesten Spiel nach Schach und Golf“ begeistert waren und Vereinsmitglieder wurden. Im Sommer soll es deshalb eine zweite Projektwoche für Quedlinburger Schüler geben, kündigte Schmidt an. Darum soll sich ein Vereinsmitglied im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs kümmern. Viermal in der Woche soll das Jugendtraining künftig stattfinden. Interessenten können sich melden. Doch zunächst muss die Heizung eingebaut werden. Und dann steht noch eine Einweihungsparty an.

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